Allianz gegen Altersarmut

 

kfd bei Vortrag der „Allianz gegen Altersarmut“  

Der kfd Diözesanverband Speyer ist – neben anderen Verbänden und Organisationen -Mitglied der „Allianz gegen Altersarmut“ und so waren auch viele kfd-Frauen der Einladung zu dem Vortrag
„Wer Kinderarmut sät, wird Altersarmut ernten“

in das Edith-Stein-Haus in Kaiserslautern gefolgt. Referent war Dr. Jürgen Borchert, Sozialexperte und ehemaliger Richter am Familiengericht in Darmstadt.

Es war ein sehr interessantes Thema, das Dr. Borchert ausführlich vorstellte. Er vertrat die Auffassung, dass das Deutsche Rentensystem – es stammt  aus dem Jahr 1957 und ersetzt die bis dato geltende sogenannte „Bismarck-Rente“ – nicht mehr gerecht und für die heutige gesellschaftliche und wirtschaftliche Situation unpassend ist. Er verdeutlichte dies beispielhaft an der Familien- und Frauenbenachteiligung. Die Anzahl der Geburten habe sich seit 1964 von ca. 1,4 Millionen bis 2016 auf ca. 700.000 halbiert, viele Kinder seien von Armut betroffen, ihre Anzahl sei dramatisch gestiegen.  Bekam 1965 jedes 75. Kind Sozialhilfe, so ist heute jedes 5. Kind betroffen. Borchert sprach von einem „extremem Individualismus“ in  Deutschland und dem „finanziellen Erdrosselungseffekt“ bei Familienhaushalten. Infolge der Kinderarmut sind die Bildungsfähigkeit und die Gesundheit massiv beschädigt. Der Staat  müsse mehr in die Ausbildung der Kinder investieren, stattdessen reduziert er die Bildungsausgaben. Die niedrigen Stundenlöhne, immer weniger Arbeitsvolumen und immer mehr Teilzeitbeschäftigungen führten auch nach 45 Jahren Vollzeitbeschäftigung zu minimalen Renten.  An einem Beispiel verdeutlichte der Referent dies: bei 40 Jahren Vollbeschäftigung mit einem Stundenlohn von 11 € beträgt der Rentenanspruch ca. 700 € im Monat. Die Armutsgefährdungsgrenze liegt zur Zeit bei 969 € monatlichem Einkommen. Trotz steigender Beiträge  sinken die Renten. Der Referent führte weiter aus, dass Kinder von Eltern später die Altersvorsorge der  Kinderlosen finanzieren. Unser geltendes Rentensystem belohne Kinderlosigkeit, so Borchert. Familien mit Kindern müssten bei der Rentenversicherungs-Beitragszahlung entlastet werden; ebenso auch in der „Steuergesetzgebung“. Dr. Borchert forderte drastische soziale Veränderungen in Deutschland, sonst heißt die Prognose „Kinderarmut – Lebensarmut – Altersarmut“. Eine weitere Forderung des Referenten an den Staat war die einer „BürgerFairSicherung“, was bedeutet, dass alle Einkommensquellen mit Beitragszwang belegt werden, ähnlich dem Solidaritätszuschlag.

Informationen zum Rentenmodell der katholischen Verbände finden Sie unter:

www.buendnis-sockelrente.de