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Ermutigung am Montag

Montag, 23. März: Wir wollen Sie in Zeiten der Verunsicherung und Sorge jede Woche mit einem ermutigenden Text begleiten. “Das ganze Land steht still, aber die Gedanken all seiner Bewohner rasen” – so war es dieser Tage in der „Zeit“ zu lesen. Präses Norbert Kaiser lädt uns ein, innerlich zur Ruhe zu kommen:

 


   

Beten – in Zeiten des Corona-Virus
– Gedanken von kfd-Präses Norbert Kaiser

„verweilen“ und „hören“

„Beten ist nichts anderes als verweilen bei einem Freund, mit dem wir oft allein zusammenkommen, einfach um bei ihm zu sein, weil wir sicher wissen, dass er uns liebt.“ So schreibt es Teresa von Avila in ihrer Lebens-Beschreibung (V 8,5)

Und bei Sören Kierkegaard lesen wir: Beten heißt nicht, sich selber reden hören. Beten heißt: still werden und still sein und warten, bis der Betende Gott hört.“ (CIG 31/18)

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„verweilen“ und „hören“ – beides erkenne ich auf diesem Bild, einer Ikone im Kloster Helfta: Jesus, der Herr mit seiner segnenden Hand über dem Jünger, der sein Ohr an Jesu Herz gelegt hat – als wolle er den Pulsschlag des Herzens hören.

Beten ist hören auf die liebende Zuwendung Gottes („Herz“). Dann findet sich in diesem Jünger jede unserer Christen-Gemeinden – darin findet sich jeder Einzelne – darin finde auch ich mich (ganz persönlich) – „hören“ auf den Herzschlag Gottes.

Das Corona-Virus zwingt uns in eine „Quarantäne“, in eine „Zeit für uns“. Wir haben unter Umständen viel Zeit für uns, in der Familie – einmal hineinzuhören in jedes Mitglied – in unser Miteinander und in unser Füreinander – als eine liebende Zuwendung aller zu einander.

Wir können die Wochen/Monate nutzen – hineinhören in die Herztöne Gottes. Das braucht von mir keine Worte, keine Gebete, die ich zu sprechen hätte. Es braucht einzig und allein Stille – „verweilen“ in den Gedanken: Du, mein Gott, Du bist jetzt da, bei mir. Du bist da, und auch ich bin da. „Du umgibst mich von allen Seiten und legst Deine Hand auf mich.“ (Ps 139)

Schlußbemerkung: Reden, sprechen, Gebete sprechen – das sind wir gewohnt, das fällt uns nicht schwer. Aber, einfach „verweilen“ und „hören“, das gelingt nicht so selbstverständlich. Und dann kommt die Frage hoch: „Was soll das überhaupt? Haben wir für Gott noch nicht einmal ein Gebet übrig?“….
Bei Gott „verweilen“ dürfen, eine „Weile haben“ in seiner Gegenwart – größeres können wir uns als Menschen nicht wünschen.
Und, wenn Gott „schweigt“? – Gott redet zu uns – auch in seinem Schweigen.

In Gott hineinhorchen – auch in sein Schweigen, das gelingt nicht immer – auch mir, dem Schreiber, nicht. Darum heißt es, immer wieder von neuem beginnen und üben;
sich dazu Zeit nehmen: „Corona-Zeit“

Quellenangaben:
Text: kfd-Präses Norbert Kaiser ( März 2020)
Foto: © Robin Simons
Ikone: Jesus und Johannes, „nachgeschrieben“ von Sr. Marie Paul für das Kloster Helfta

* Henning Sußebach, Zeit-Reportage vom 20.03.2020