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Es blüht – auch in Krisenzeiten

Ermutigung am Montag

Montag, 30. März: “Es blüht – auch in Krisenzeiten!” – so überschreibt Ursula König, Geistliche Leiterin kfd DV Speyer, einen ihrer mutmachenden Texte, die sie uns für diese Woche mit gibt. In Ihren Texten “Hut ab”, “In Zeiten wie diesen” und “Andrá tutto bene” regt sie an, Zeichen der Zuversicht und der Solidarität zu entdecken und mit anderen zu teilen.

 


   

Es blüht – auch in Krisenzeiten

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Vergangene Woche erreichte mich ein Bild mit einem wunderschön blühenden Baum. „Er weiß nichts von irgendwelchen Krisen, er erfreut uns mit seinen Blüten“– so war das Bild unterschrieben. „Ja“, so denke ich. „Wohl wahr!“ Die Natur um uns herum zeigt sich gerade voll im Wachstum, überall grünt und blüht es, dicke Knospen sind an vielen Pflanzen schon zu sehen. Die Frühblüher erfreuen uns bereits mit ihrer Farbenpracht.

Ich bin gerne in der Natur und spüre förmlich, wie ich hier Kraft und Energie tanken kann. Auch jetzt sehe ich die Schönheit und versuche die bedrückenden Nachrichten ein wenig zu vergessen. Den Blick auf das Schöne lenken – dies scheint mir ein wirklich gutes Rezept in dieser Zeit.  Blühen und wachsen – trotz Krise, in der Krise. Und die Menschen machen dies vielerorts bereits. In jeder Krise liegen auch Chancen – ja, die sehe ich tatsächlich in diesen Zeiten.

Es zeigt sich nämlich, wie kreativ wir Menschen sein können. Nachbarschaftshilfe beim Einkaufen auf Abruf, intensive Nutzung von sozialen Medien für die Kontaktpflege, Angebote zum Innehalten in Form von Meditationen, Impulsen, Andachten und Gottesdiensten zum Zuhause Mitfeiern. Angebote zur Stärkung, zum Mut schöpfen. Das können wir in dieser Zeit gut gebrauchen. Abends machen Menschen auf ihren Balkonen Musik – sie zeigen, damit wir geben nicht auf, wir sind füreinander da, wir können uns weiterhin freuen. Glocken läuten zum Zeichen, wir sind im Gebet vereint. Abends zeigen Kerzen an den verschiedenen Fenstern – die Hoffnung bleibt. Wir sind vereint in dieser Zeit, trotz Abstand.

Wir können uns das Leben schön machen – allen Krisen zum Trotz! Wir verlieren nicht den Mut und freuen uns an den kleinen Dingen. Ach und da waren noch Jugendliche, die allen anderen Bewohnern ihres Mietshauses, eine Tulpe vor die Tür legten – so etwas gibt es, auch oder gerade in diesen Tagen.Vielleicht wird uns diese Situation nachhaltig verändern,vielleicht werden wir achtsamer mit Umwelt und im Miteinander sein. Vielleicht lernen wir mehr Wertschätzung und Dankbarkeit – wir werden sehen.

Von meiner Mutter hörte ich früher manchmal den Satz „Wer weiß wofür es gut ist“. Als Kind konnte ich damit nicht viel anfangen. Mittlerweile, denke ich in schwierigen Zeiten: „Was ist das Gute daran?“ Und vor allem: „Wie kann ich das Beste daraus machen?“ Und: „Welche Möglichkeiten habe ich nun“? Lassen wir uns weiterhin von allem Schönen und Blühendem erfreuen, gehen wir, falls dies möglich ist, raus in den Garten oder auf den Balkon. Genießen wir die wunderbare Schöpfung Gottes, wenn auch alleine oder nur zu zweit.

Gebet:
Gott, Mutter und Vater,
sei bei uns in dieser Zeit.
Wir danken dir für die Natur,
den Frühling,
den Duft der Blumen,
die Grünkraft.
Wir danken für alles was wächst und gedeiht.
Lass auch uns wachsen an den Herausforderungen
dieser Tage.
Gott, Mutter und Vater,
lass uns deine Gegenwart spüren
und den Blick für das Schöne und Gute
nie verlieren.
Amen
Ursula König, Geistliche Leiterin kfd-Diözesanverband Speyer, März 2020

   
   
   

 
 

Hut ab

Inspiriert durch eine kleine Karte auf meinem Schreibtisch mit der Aufschrift „ Hut ab“ sind mir diese Gedanken gekommen:

Hut ab
vor all den Menschen, die in dieser Zeit Ruhe bewahren, vernünftig sind und den Aufforderungen folgen und gegenwärtig zu Hause zu bleiben.

Hut ab
vor all den Menschen, die in den Krankenhäusern arbeiten, in den Supermärkten, und in allen lebenswichtigen Bereichen, die uns die tägliche Versorgung sicherstellen.

Hut ab
vor denjenigen, die in dieser Zeit Augen und Herz auch für andere haben, Einkäufe erledigen, einsame Menschen anrufen, Initiativen ergreifen und kreative Hilfsangebote schaffen.

Hut ab
vor all den Verantwortlichen auf den verschiedenen politischen Ebenen und Ämtern, die nach vernünftigen Lösungen suchen zum Schutz der Menschen.

Hut ab
vor all denen, die in wirtschaftlicher Not helfen und aus Solidarität eigene Ansprüche und Forderungen zurückstellen.

Hut ab
Vor allen, die ein gutes Wort für andere haben, die trösten und aufmuntern.

Hut ab
Vor denen, die im Vertrauen auf Gott immer wieder auch Schönes im Alltag wahrnehmen können und die Hoffnung nicht verlieren.

Hut ab
Vor allen, die in dieser Zeit der Einschränkungen dankbar sein können, für all das, was wir haben und was uns zur Verfügung steht.

Vielleicht haben Sie weitere Ideen, vor wem Sie in diesen Tagen den Hut ziehen können. Übrigens: Wir dürfen durchaus öfter auch vor uns selbst den Hut ziehen – das baut auf! Ob wir solidarisch sind durch unser Verhalten, durch unser Daheim-bleiben, durch eine hilfreiche Initiative oder eine Spende, ob wir uns verbinden durch ein Gebet, oder Kontakt halten mit Briefen, Telefongesprächen
Hut ab

Ich wünsche Ihnen von Herzen Gottes Segen und alles Gute – bleiben Sie zuversichtlich und gesund!
Ursula König, Geistliche Leiterin kfd-Diözesanverband Speyer, März 2020

   
   
   

 
 

In Zeiten wie diesen

In Zeiten wie diesen
brauchen wir trotz Abstand und Distanz
die Nähe
zu Gott,
der Familie,
den Freunden,
den Mitmenschen
auf anderen Wegen,
als wir es gewohnt sind.
Begegnen wir uns
durch ein aufmunterndes Wort,
eine tröstliche Botschaft,
im Gebet
durch ein Gespräch,
ein Lied,
ein Lachen,
durch einfach nur Zuhören
eine Umarmung in Gedanken.
Trotz aller Distanz
bleiben wir verbunden.
Wir sind nicht vergessen.
Wir sind nicht verloren.
GOTT SEI DANK !
Ursula König, Geistliche Leiterin kfd-Diözesanverband Speyer, März 2020

 
 
 

 
 

“Andrà tutto bene” – Alles wird gut

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Dieser Satz stammt von Menschen, aus dem von der Pandemie am schwersten betroffenem Land Italien. Er hängt als Spruchbanner von Balkonen oder aus Wohnungen, in denen Singles, Paare, Familien, alte und junge Menschen schon viele Tage aufgrund der Ausgangssperre ausharren müssen. Sie wachsen über ihre Notlage hinaus. Sie setzen in dieser Krise ein deutliches Zeichen der Zuversicht. Von den Balkonen hört man Musik, Gesänge und Applaus. Die Menschen stemmen sich mit Witz und Humor gegen die Angst.

Ich denke oft an die, denen absolute Isolation auferlegt ist, die nicht aus ihren Wohnungen und Häusern dürfen und die frühlingshafte Natur nicht durch Spaziergänge genießen können. Guter Gott, lass sie aushalten und starke Nerven haben, so bete ich. Lass sie diese Zuversicht „andrà tutto bene“ nicht verlieren, stehe ihnen bei.

Und ich denke an die Menschen, die auf den Intensivstationen oder gar in Zelten liegen, total isoliert, keinerlei Besuch bekommen können. Stehe allen bei, bei denen es nicht mehr gut wird, weil sie bereits zu schwer erkrankt sind. Sei bei den Sterbenden in ihrer letzten Stunde, bei den Angehörigen in ihrer Trauer und ihrem Schmerz, weil sie sich vielleicht nicht mehr verabschieden konnten.

Stärke die Pflegekräfte und die Ärzte und Ärztinnen, die zahlreichen Helferinnen und Helfer, die bis zur Erschöpfung alles tun, um zu heilen und Not zu lindern.

Und ich möchte diejenigen nicht vergessen, die schon lange in existentiellen Nöten sind und unter schrecklichen inhumanen Bedingungen leben müssen. Nun werden sie auch noch von diesem Virus bedroht. Lass sie nicht verzweifeln und lass unser Mitgefühl, unsere Solidarität und unser Engagement ihnen gegenüber nicht erlahmen.

Gott, sei du bei uns Menschen in dieser weltweiten Krise, lass uns die Hoffnung, die Zuversicht nicht verlieren.

„Andrà tutto bene!“

Von allen Seiten umgibst Du mich
und hältst Deine Hand über mir.
Gott, Du kennst mich.
Du achtest auf mich.
Nie gibst Du mich verloren.
Ob ich sitze oder stehe,
ich liege oder gehe,
Du hältst Deine Hand über mir.
Alle meine Wege sind Dir bekannt.
Alles, was ich denke und sage:
Du kennst es.
Mein ganzes Leben liegt offen vor Dir.
Wenn ich in Schwierigkeiten und
größten Nöten bin,
Du lässt mich nicht im Stich.
Wenn ich nicht aus noch ein weiß,
meine Not bleibt dir nicht verborgen.
Gott, Du kennst mich.
Du achtest auf mich.
Nie gibst Du mich verloren.
Von allen Seiten umgibst Du mich
und hältst Deine Hand über mir.
(Nach Psalm 139)
Ursula König, Geistliche Leiterin kfd-Diözesanverband Speyer, März 2020

 
 

Quellenangaben:
Texte: Ursula König
Fotos und Fotocollage Balkon: Guido König