Mit Junia Apostelin sein.

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Predigerinnen am Juniatag. Zum Vergrößern klicken.

Mit Junia Apostelin sein.

Ermutigung am Montag, den 25.05.2020: Im Gedenken an die Apostelin Junia hatte die kfd in diesem Monat erstmals bundesweit einen Predigerinnentag ausgerufen, an dem 12 Frauen teilgenommen haben. Diözesan-Frauenseelsorgerin Monika Kreiner macht uns bekannt mit Junia, der Frau, die nach jahrhundertelanger Zeit der Abwesenheit wieder in den Bibelübersetzungen auftaucht:

Was steht in der Bibel?:

Im Römerbrief Kapitel 16 finden wir den Schlussteil eines längeren Briefes, den Paulus an die frühchristliche Gemeinde in der Stadt Rom vermutlich 56 n. Chr. schrieb. In der neuen Einheitsübersetzung von 2016 wird erstmals zutreffend im Vers 16,7 übersetzt: „Grüßt Andronikus und Junia, die zu meinem Volk gehören und mit mir zusammen im Gefängnis waren; sie sind angesehene Apostel und haben sich schon vor mir zu Christus bekannt.“ Ab dem 13. Jh. findet sich allerdings nur noch die Übersetzung „Junias“, und es wird ab dann einhellig davon ausgegangen, dass es sich um einen Mann handelt (obwohl der Männername „Junias“ in der Antike nicht bekannt ist).

Junia war also über viele Jahrhunderte aus der Bibel und aus dem Gedächtnis verschwunden. Erst im 20.Jh. wurde sie durch die neuere Bibelwissenshaft wiederentdeckt.

Es ist anzunehmen, dass Andronikus und Junia ein Ehepaar waren, die das Apostelamt gemeinsam wahrnahmen. Vielleicht waren sie in Ephesus gemeinsam mit Paulus gefangen. Auffallend ist im gesamten Kapitel 16 des Römerbriefes, dass es einen hohen Anteil an namentlich genannten Frauen gab, die aktiv in der Gemeindearbeit tätig waren.

Anstöße für uns heute:
Junia: Eine Frau, die ihr Apostelamt wahrnimmt. Was heißt das eigentlich, Apostelin sein? Das Wort hört sich so gewichtig an. Nicht unbedingt so, als ob es mit heutigen Menschen etwas zu tun hätte.

Aus dem Griechischen übersetzt bedeutet apstello – gesandt sein. Apostelinnen sind also Menschen, die von Gott hinaus geschickt werden, von Jesu Liebe zu erzählen.

Das ist nun etwas, was wir besonders in diesen Corona-Zeiten sehr häufig erlebt haben: dass Frauen gespürt haben, wie gut es alleinlebenden Menschen tut, wenn jemand ihnen eine aufmunternde Nachricht schickt oder ihnen einen Balkon-Besuch abstattet. Frauen sind apostolisch tätig, ja: sie gehen nach draußen und erzählen von der Liebe Gottes, und zwar in Wort und Tat. Gott selbst ist es, der sie losschickt, ihren Mitmenschen herzliche Botschaften zu überbringen.

Losgehen – Apostelin sein:
In diesem Monat, am 17. Mai, war der Gedenktag der Junia. Wollen Sie auch mal Apostelin sein? Gleich heute? Warum nicht! Wer sich von Gott angestupst fühlt, etwas für andere zu unternehmen und anderen Gutes zu überbringen, ist „Gesandte“ – Apostelin!

Probieren Sie es aus! Vielleicht möchten Sie heute einer älteren Nachbarin eine schöne Postkarte einwerfen? Einer Verwandten einen handgeschriebenen Brief schreiben? Jemandem ein Stückchen Kuchen vorbei bringen? Balkonbesuche vereinbaren? Jemanden anrufen, die sich vielleicht alleine fühlt? Einen Blumengruß vor die Tür legen?

Haben Sie eine gesegnete Junia-Zeit!

Und was ist die #Juniainitiative?
Wenn Sie unter www.juniainitiative.com nachschauen, entdecken Sie eine spannende Initiative innerhalb der römisch-katholischen Kirche der Schweiz. Hier halten sich theologisch ausgebildete Frauen bereit, sich von ihrem Bischof senden zu lassen: zu spezifischen Aufgaben, zu denen sie sich berufen fühlen. Die website bietet viele interessante Anregungen und Informationen.

Gebet
Du beziehungsfördernder Gott,
hilf uns loszugehen:
Nicht überstürzt, nicht hektisch, nicht unbedacht.
Voll innerer Überzeugung losgehen, weil du uns sendest.

Du anspornender Begleiter Jesus,
hilf uns, nicht aus Ängstlichkeit teilnahmslos zu werden:
Nicht träge, motivationslos, frustriert.
Immer neu mit dir mitgehen, weil du uns begleitest.

Du lebendiger Geist unter uns,
hilf uns miteinander zu sprechen:
Nicht moralisieren, belehren, besser wissen
Sondern voll Freude von unserer Hoffnung erzählen.

Du Gott so vieler Wege,
gib uns die Offenheit – und die Betroffenheit,
die Bescheidenheit – und die Entschiedenheit
uns von Dir aussenden zu lassen,
zu den Menschen, die um uns sind.

Amen.

Text: Monika Kreiner
Fotos: kfd Bundesverband (Predigerinnen) und Monika Kreiner (Bibeltext)