#MachtLichtAn: kfd fordert rückhaltloseAufklärung aller Missbrauchsfälle und eine Erneuerung der Kirche: Stellungnahme des kfd-Diözesanleitungsteams

Speyer, 12.12.2020: Am 12. Dezember 2018 sind kfd-Frauen erstmals bundesweit unter dem Motto „#MachtLichtAn.“ an die Öffentlichkeit gegangen, um Solidarität mit Missbrauchsopfern zu zeigen, und um rückhaltlose Aufklärung aller Missbrauchsfälle von den Kirchenleitungen zu fordern. Fast auf den Tag genau zwei Jahre später, am 10. Dezember 2020, kommt in unserer Diözese ein unglaublicher und massiver Missbrauchsfall aus jahrzehntelangem Dunkel ins breite Licht der Öffentlichkeit. Unser Bischof hat uns in einem Interview unserer Bistumszeitung „der Pilger“ zuerst darüber informiert, und mittlerweile ist in vielen Medien in grausamen Details zu lesen, was Schutzbefohlene in einem katholischen Speyerer Kinderheim in den 60er und 70er Jahren zu erleiden hatten.

Wir sind erschüttert, dass Kinder aus „prekären“ Verhältnissen, die besonderen Schutz und besondere Fürsorge gebraucht hätten, von einem Mitglied der Bistumsleitung, dem damaligen Generalvikar und obersten Juristen, und von Priestern und Ordensfrauen unserer Kirche, unserer Diözese, über Jahre hinweg systematisch gequält, körperlich misshandelt und sexuell ausgebeutet wurden. Es ist unerträglich, was da im Schatten unseres Domes geschah: dass es buchstäblich niemanden gab, der die Schreie dieser Kinder gehört, ihre körperlichen und seelischen Verletzungen gesehen und ihr Leiden wahrgenommen hat – und ihnen dann beigestanden ist in ihrer Not.

Lasst uns wenigstens heute an der Seite der Betroffenen stehen! Ein erster Schritt ist es, dass wir zuhören, und ihnen Glauben schenken, so wie es unser Bischof getan und auch öffentlich geäußert hat.

Es ist leider zu oft umgekehrt: es wurde und wird den Tätern geglaubt. In dem jetzt veröffentlichten Fall waren es wohl, neben den Niederbronner Ordensfrauen, studierte, eloquente Herren, fest im Sattel ihrer Machtpositionen, mit einem gut funktionierenden Netzwerk in Kirche, Politik und Justiz, und finanziell komfortabel ausgestattet. Über all das verfügen die Opfer nicht.

Diejenigen, die nicht an den körperlichen und seelischen Folgen des Missbrauchs gestorben sind, sondern all das überlebt haben, was man Ihnen angetan hat, können jetzt vielleicht – wenn auch sehr spät, und hoffentlich nicht zu spät – ein kleines Stück Heilung erfahren dadurch, dass Ihnen heute geglaubt wird, und finanzielle „Entschädigung“, auch für Therapien, zur Verfügung steht.

Erneut stellen wir als kfd die Frage: wann wird es endlich soweit sein, dass die Strukturen beseitigt sind, die einen solchen Machtmissbrauch in der katholischen Kirche überhaupt erst möglich machen?

Die Zeit dafür ist reif – mehr als reif.

Speyer, den 12. Dezember 2020,

das kfd-Diözesanleitungsteam:
Marina Mathias, Christa Kuhn, Gertrud Schwartz, Ariane Feierabend, Claudia Lupberger, Ingrid Huber, Ursula König, Pfr. Norbert Kaiser,        Beate Kästle Silva und Annette Bauer-Simons

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